Nach bereits zwei erfolgreichen Workshops in China an der Tsinghua Universität in Beijing fand am 25. und 26.1.2010 an der RWTH Aachen der dritte thematische Workshop im Vorhaben „German-Chinese Platform for Advanced Water Research (aware)“ statt. Während die beiden ersten Workshops thematisch sehr offen gehalten waren (Link zu 1. Workshop, Link zu 2. Workshop), erhielt nun der dritte Workshop die exklusive Widmung "Anaerobic Digestion and Biogas Production: Technologies, Modelling, Design". Es galt einen umfassenden deutsch-chinesischen Informationsaustausch zum Thema Anaerobtechnologie vorzunehmen und darauf aufbauend Ansätze für gemeinsame Forschungsvorhaben und Kooperationen in diesem Themengebiet zu identifizieren und zu vereinbaren. Essentielle Vorarbeiten waren hierzu durch den gegenseitigen Doktorandenaustausch im aware Vorhaben bereits erfolgt.
Das ISA begrüßte insgesamt 14 chinesische Gäste von verschiedenen Universitäten. So waren unter anderem die Tsinghua Universität in Beijing, die Beijing University of Chemical Technology, die Tongji Universität in Shanghai sowie die Jiangnan Universität in Wuxi prominent vertreten. Während der zwei Tage wurden zahlreiche Vorträge gehalten, die die große thematische Vielfalt der Anaerobtechnologie widerspiegelten aber auch die Vielzahl an gemeinsamen Umweltproblemen und Forschungsfragestellungen offenbarten. Die vorgetragenen Themen umfassten sowohl Nutzungsmöglichkeiten der anaeroben Abwasserbehandlung als auch die der anaeroben Behandlung fester Abfälle. Es galt insbesondere zu diskutieren, wie die Anerobtechnologie sinnvoll eingesetzt werden kann, um einerseits ein Höchstmaß an Energie/Biogas zu produzieren und andererseits nicht ihrerseits (ggf. neue) Umweltprobleme zu verursachen. So erörterten die Teilnehmer rechtliche Aspekte und konkrete Umsetzungen der Anaerobtechnologie bei der Industrieabwasserbehandlung. Ferner diskutierten sie die Facetten der Phosphorrückgewinnung sowie die der Co-fermentation und informierten sich über die Biogasgewinnung aus Algen, die aus dem eutrophierten Taihu Lake in den chinesischen Provinzen Jiangsu und Zhejiang entnommen werden. Zudem stieß der Vortrag von Herrn Dr. Weichgrebe vom ISAH der Leibniz Universität Hannover auf großes Interesse, der das ISAH-Vorhaben DAUMEN vorstellte.
Der Workshop endete mit einer offenen Diskussion, die insbesondere der Frage gewidmet war, inwieweit die Anaerobtechnologie sinnvoll in der kommunale Abwasserbehandlung eingesetzt und wie sie zudem in dezentrale Ver- und Entsorgungssysteme integriert werden kann. In diesem Zusammenhang war es eine besondere Bereicherung, dass Professor Lettinga von der Wageningen Universität an dem Workshop teilnahm.
Im Anschluss an den zweitägigen Workshop machte sich ein Teil der chinesischen Delegation auf den Weg nach Süddeutschland, um dort Biogasanlagen zu besichtigen. Die chinesischen Wasserexperten verblieben in Aachen, um mehrere Membrananlagen in Nordrhein-Westfalen zu besichtigen - unter anderem die Membrananlage auf dem Gruppenklärwerk Nordkanal in Kaarst bei Neuss und die Trinkwasseraufbereitungsanlage in Roetgen bei Aachen.
Wir blicken auf eine sehr erfolgreiche und anregende Veranstaltung zurück. Ein weiterer Grundstein ist gelegt für die gemeinsame Arbeit an Lösungen von Umweltproblemen, die beide Ländern betreffen - wie beispielsweise die adequate Entsorgung von Rückständen aus der Vergärung. Wir freuen uns auf den weiteren Austausch.
Das Thema „Fluortenside" gehörte auch während der 30. SETAC Nordamerika-Konferenz (Society of Environmental Toxicology and Chemistry) in New Orleans (USA) vom 19.-23.11.2009 mit zu den aktuellsten Themen. Anlässlich dieser Tagung präsentierte Prof. Dr. H. Fr. Schröder, Leiter des Umweltanalytischen Laboratoriums des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft, einen von 27 Vorträgen zu Themen wie Vorkommen, Toxikologie und Elimination perfluorierter Tenside und ihrer Abbauprodukte. In diesem Vortrag der Autoren Schröder, Pinnekamp und Gebhardt zur Bestimmung und weitergehenden Elimination der perfluorierten Tenside PFOA (Perfluoroctansäure) und PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) mittels physikalisch-chemischer Verfahren („Whereabouts and Identification of Fluorinated Surfactants and their Chemical and Physicochemical Degradation Products“) wurden Methoden der nachhaltigen Entsorgung dieser persistenten Stoffe, in Zusammenarbeit mit der Philips Technologie GmbH in Aachen gewonnen, dem internationalem Publikum vorgestellt.
Weiterhin präsentierte Prof. Schröder einen Poster zum Thema Dopingmittel und Stimulantien (ß-Blocker, Diuretika, Anabolika, Stimulantien und Phosphodiesterase-Hemmer) in Abwässern („Anabolic-, Doping- and Designer Drugs in Wastewater Treatment Processes - Presence and Followed-up of Elimination by LC-MS and LC-MSn“) Das Poster behandelte sowohl deren Eintrag in das Kanalnetz als auch deren Elimination im Abwasserreinigungsprozess. Zu den Autoren dieses Posters gehörten neben Prof. Schröder auch Dr. Gebhardt und Prof. Dr. M. Thevis vom Institut für Biochemie und dem Zentrum für Präventive Doping Forschung der Sporthochschule in Köln.
25. Treffen der Hochschulgruppe Simulation (18.01.2010)
Vom 27.11.2009 bis zum 29.11.2009 fand das 25. Hochschulgruppentreffen Simulation am ISA der RWTH Aachen statt. Die Hochschulgruppe Simulation (HSGSim) ist eine Gruppe von ForscherInnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Polen und der Slowakei, die sich mit dem Thema "Dynamische Simulation in der Siedlungswasserwirtschaft" beschäftigt. Bei den Treffen, die zweimal pro Jahr stattfinden, steht neben dem Erfahrungsaustausch das Erarbeiten von Hinweisen zur Anwendung der dynamischen Simulation im Vordergrund. Die HSG gliedert sich derzeit in die zwei Arbeitsgruppen „AG Dynamische Simulation von Belebtschlammanlagen" und "AG Integrierte Modellierung".
Beim diesjährigen Herbsttreffen waren 33 Mitglieder anwesend. Neben einer Fachexkursion zur Renaturierung des Wurmtals am Donnerstag, stand am Freitag und Samstag die inhaltliche Arbeit der beiden AG im Vordergrund.
Das Hauptziel der AG "Dynamische Simulation von Belebtschlammanlagen" ist es, die Akzeptanz der dynamischen Simulation in der Praxis zu erhöhen. Hierzu wird derzeit ein „Arbeitsblatt zur Nutzung der dynamischen Simulation zur Planung von Kläranlagen“ erarbeitet.
Ein Arbeitsschwerpunkt der AG "Integrierte Modellierung" ist derzeit der Vergleich der unterschiedlichen Richtlinien bezüglich der immissionsorientierten Nachweisführung bei der Bewertung von Gewässereinleitungen. Weitere Arbeitschwerpunkte auf dem Hochschulgruppentreffen waren das Datenmanagement, die Planung von Messkampagnen, der Umgang mit Unsicherheiten sowie die weitere Verwendung von Messdaten zur Kalibrierung und Verifizierung von Simulationsmodellen.
Das nächste HSG-Treffen findet vom 27.05.2010 bis zum 29.05.2010 im polnischen Lodz statt.
43. ESSENER TAGUNG vom 17. bis 19. März 2010 (17.12.2009)
ESSENER TAGUNG für Wasser- und Abfallwirtschaft mit dem Schwerpunkt “Perspektiven und Risiken“ vom 17. bis 19. März 2010 in der Messe Essen Ost
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Namen der Veranstalter lade ich Sie auch in diesem Jahr wieder ganz herzlich zur Teilnahme an der ESSENER TAGUNG für Wasser- und Abfallwirtschaft ein. Die Tagung findet diesmal in Essen statt. Es stellt einen glücklichen Zufall dar, dass Essen für dieses Jahr, stellvertretend für das ganze Ruhrgebiet, zur „Kulturhauptstadt Europas“ ausgewählt worden ist. Dadurch wird die Möglichkeit eröffnet, neben der Tagung interessante Ausstellungen oder Projekte zu besuchen.
Der Begriff Kultur im weiteren Sinne hat eine Bedeutung, die über den Bereich der Kunst, der Literatur oder der Sprache hinausgeht. Ausgehend von der lateinischen Bedeutung des Wortes cultura, nämlich „Pflege, Ackerbau“, umfasst er viele unserer „Kulturtechniken“, wie zum Beispiel und nicht zuletzt die Nutzbarmachung von landwirtschaftlichen Flächen durch Be- oder Entwässerung. Wasserwirtschaft und Kultur sind also enger miteinander verbunden als man bei oberflächlicher Betrachtung meinen könnte, und der richtige Umgang mit dem kostbaren Gut Wasser gehört bis heute zu den wichtigsten Kulturtechniken. Insofern sind Thema und Tagungsort der ESSENER TAGUNG in diesem Jahr besonders treffend gewählt.
Das Leitthema der Tagung lautet in diesem Jahr „Perspektiven und Risiken“. Die Perspektiven, also die Aussichten für die Zukunft der Wasser- und Abfallwirtschaft, werden einleitend in mehreren umfassenden Vorträgen dargestellt. Perspektiven können vielversprechend sein, also positive Entwicklungen und Chancen voraussehen, sie können aber auch Risiken sichtbar machen und dadurch Wege zur Minimierung oder Vermeidung dieser Risiken eröffnen. Diese beiden Sichtweisen kommen in vielen Vorträgen zu ganz unterschiedlichen Themenbereichen zum Ausdruck.
Bei der Auswahl der Vorträge haben wir auch in diesem Jahr wieder Wert gelegt auf eine ausgewogene Mischung von wissenschaftlichen, praxisorientierten und politisch-administrativen Themen und Vortragenden. So ist die ESSENER TAGUNG auch in diesem Jahr wieder der zentrale Treffpunkt für alle in der Wasser- und Abfallwirtschaft tätigen Fachleute. In über 70 Vorträgen in 17 Themenblöcken wird Ihnen ein aktueller und umfassender Überblick über alle relevanten Bereiche gegeben. In den Diskussionen zu den Vorträgen, in den Pausen und während der Abendveranstaltung haben Sie ausreichend Gelegenheit zum Austausch mit Fachkolleginnen und -kollegen.
Wie in den Vorjahren findet begleitend zu der Tagung eine Fachausstellung statt; darüber hinaus haben die ausstellenden Firmen Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen im Rahmen des Technologieforums zu präsentieren. Das Tagungsprogramm wird abgerundet durch zwei Exkursionen, die am Freitagnachmittag stattfinden und zur Kläranlage Bottrop und zur Talsperrenleitzentrale des Ruhrverbandes führen.
Ich lade Sie nochmals ganz herzlich zur Teilnahme an der ESSENER TAGUNG ein und freue mich, Sie in Essen begrüßen zu können!
Ihr Johannes Pinnekamp
Das Tagungsprogramm der 43. ESSENER TAGUNG erhalten Sie hier: www.essenertagung.de
Sino-German Water Management Symposium - 12.-14. April 2010 in Chengdu (3.12.2009)
China zählt zu den Wassermangelgebieten auf dieser Erde. Insbesondere der Norden Chinas ist von einer Wasserkrise bedroht. Ferner wird das wirtschaftliche Wachstum Chinas durch ein erhebliches Ausmaß an Umweltzerstörung begleitet. Zahlreiche Flüsse in China weisen sehr schlechte Wasserqualitäten auf. Oftmals wird auch die Wasserversorgung durch eine völlig unzureichende Flussbewirtschaftung beeinträchtigt. Der (umweltgerechte) Umgang mit Wasser lässt sich insbesondere in der Sichuan Provinz anschaulich diskutieren. Die wasserreiche zentralchinesische Provinz (sì chuān, 四川, „vier Flüsse“) mit der Hauptstadt Chengdu weist zahlreiche (kulturhistorische) Errungenschaften der Wasserwirtschaft auf – so beispielsweise das Weltkulturerbe des Dujiangyan-Bewässerungssystems.
Die zentrale Zielsetzung des Water Management Symposiums ist es, eine innovative Austausch- und Diskussionsplattform für die Wissenschaft und Praxis zu schaffen, um auch in China erfolgreichen Gewässerschutz und wirtschaftliche Entwicklung besser in Einklang zu bringen als bisher. Europa und insbesondere Deutschland können hier auf nennenswerte Erfolge verweisen. Während des 3-tägigen Symposiums werden in mehreren Sessions insbesondere folgende Themen behandelt werden:
- Modern River Basins Management: integrated approaches and management methods
- Pollution control from point sources and nonpoint sources: coming into force of legal regulations
- Financing / Charges / Cost recovery: (improved) implementation of polluter pays principle etc.
- Water Reuse Concepts
Als Vortragende und Teilnehmer sind sowohl renommierte Fachleute als auch Nachwuchswissenschaftler vorgesehen. Flankiert wird die Konferenz durch ein „Technology Forum“, das einen vertieften Austausch zwischen deutschen Firmen und den chinesischen Teilnehmern/Akteuren gewährleisten soll.
Die Veranstaltung wird gefördert durch das:
„Make your Career with Water“ (26.11.2009)
Der Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und Siedlungsabfallwirtschaft hat mit Unterstützung des Rechenzentrums der RWTH Aachen den Film „Make your Career with Water“ produziert. Der Film informiert in Kürze über die bestehenden bzw. zukünftigen Herausforderungen im Fachbereich der Siedlungswasserwirtschaft und vermittelt damit überzeugende Gründe, das Vertiefungsstudium der Siedlungswasserwirtschaft aufzunehmen. Der englischsprachige Film beinhaltet unter anderem ein ausführliches Interview mit Professor Pinnekamp und gibt einen ersten Einblick in das Lehr- und Exkursionsangebot des Lehrstuhls. Der Film kann auf der ISA-Website sowie unter YouTube angesehen werden.