Institut für Siedlungswasserwirtschaft
der RWTH Aachen

Das Umweltanalytische Labor des ISA auf Spurensuche in der Soers

© Arnd Gottschalk M.A.

Kesselhaus-Visionen, Tuchwerk früher – heute –morgen

Aachen als ein Zentrum der Textilindustrie im 19. Jahrhundert? Vielen ist diese Tatsache heute nicht mehr unbedingt bewusst. Doch wer mit offenen Augen in Aachen und Umgebung unterwegs ist, kann noch die eine oder andere Spur dieser Epoche entdecken. Gerade am Wildbach in der Soers sind heute noch Zeugnisse der ehemaligen Textilveredelungsbetriebe wie z. B. der Färbereien vorhanden.

Der Verein „Tuchwerk Aachen e. V.“ mit seinem Sitz auf dem Gelände der Stockheider Mühle, der ehemaligen Färberei Rzehak, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken dieses Industriezweiges zu erhalten. Im Rahmen eines Informationsnachmittags unter dem Motto „Kesselhaus-Visionen, Tuchwerk früher – heute – morgen“ konnten sich die zahlreich erschienen Gäste einen Eindruck dieser früheren Betriebe verschaffen.

Das Besondere an diesem Nachmittag war die Kooperation zwischen Tuchwerk, dem Fachbereich Architektur der FH Aachen und dem Institut für Siedlungswasserwirtschaft der RWTH Aachen. Studierende beider Hochschulen hatten die Möglichkeit Ergebnisse ihrer Abschlussarbeiten zu präsentieren, die in Zusammenarbeit mit dem Verein entstanden sind:

Der Fachbereich für Architektur stellte unterschiedliche Möglichkeiten einer zukünftigen baulichen Gestaltung der Kesselhausruine auf dem Gelände der Stockheider Mühle anhand verschiedener Modelle und Konzepte dar. Mit den Umweltauswirkungen der ehemaligen Färbereibetriebe am Wildbach befasste sich hingegen das Institut für Siedlungswasserwirtschaft. Ziel zweier Bachelorarbeiten war es, die heutige stoffliche Belastung der Fließgewässer in Aachen durch die ehemalige Textilindustrie näher zu erarbeiten.

Um einen Überblick über potentiell zu untersuchende Stoffe zu erhalten, musste vor allem am Anfang der Arbeiten Grundlagen- und Industriegeschichtsforschung betrieben werden. Anhand alter Dokumente wie z. B. Zeitzeugenberichte, Färberezepte und Abwasserprotokolle konnten die eingesetzten Farb- und Zusatzstoffe recherchiert werden. Durch die Ermittlung des Umweltverhaltens der Stoffe, insbesondere des Potentials zur Anreicherung in der Umwelt konnte schnell festgestellt werden, dass durch die Abwassereinleitungen der Betriebe in die Fließgewässer eine gravierende Umweltbelastung vorhanden gewesen sein muss. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die Fließgewässer heute wieder in einem guten Zustand befinden und keine signifikant nachweisbaren Reste der Verschmutzungen mehr auffindbar sind.

Da in den Farbstoffen oft Schwermetalle enthalten waren und diese ein erhöhtes Anreicherungspotential aufweisen, befasste sich der zweite Teil der Untersuchungen mit Sedimentanalysen des Wildbachs. Schwermetalle hätten sich hier aufgrund der Einleitung der Färbereiabwässer anreichern können. Mit einem selbst entwickelten Probenahmegerät wurden unterschiedliche Stellen des Wildbachsediments beprobt und im Labor auf Rückstände der Schwermetalle untersucht. Aber selbst bei tieferen Sedimentschichten konnte kein signifikant erhöhter Schwermetallgehalt im Vergleich zur natürlichen Hintergrundbelastung festgestellt werden.

Dieses Ergebnis war nicht unbedingt zu erwarten, da der Wildbach als ein Abwasserkanal diente, der täglich seine Farbe wechselte. Hier zeigt sich ein deutliches Regenerationsvermögen der Umwelt, so dass selbst starke Verschmutzungen im Laufe der Zeit abgebaut werden können.

Als ein weiteres Projekt kristallisierte sich an diesem Informationsnachmittag die Verlegung des Wildbachs in sein ursprüngliches Gewässerbett aus. Auch hier können in Zusammenarbeit des Vereins mit der RWTH Aachen sicherlich spannende und interessante Ergebnisse erzielt werden.

 

Ein Artikel von Marwin Feldhaus